Warum Dein Atem flacher wird, wenn Du gestresst bist

Volle Tage, harte Schultern, kurzer Atem — das ist kein Zufall, sondern ein Muster. Wer versteht, wie Stress und Atmung zusammenhängen, kann den Kreislauf an der richtigen Stelle unterbrechen.

Atem-Kondens auf Glas, Makroaufnahme

Was Stress mit Deinem Atem macht

Wenn viel von Dir verlangt wird, stellt Dein Körper auf Leistung um: Die Muskeln spannen sich an, die Schultern ziehen nach oben, der Atem rückt in den oberen Brustraum. Er wird schneller und flacher — bereit für den nächsten Schritt, das nächste Gespräch, die nächste Aufgabe.

Das ist zunächst eine gesunde Reaktion. Schwierig wird es, wenn sie zum Dauerzustand wird: Der flache Atem gehört dann so selbstverständlich zum Tag wie die To-do-Liste — und fällt gerade deshalb nicht mehr auf.

Der Atem ist oft der erste Ort, an dem sich Anspannung zeigt — und einer der ersten, an dem sie sich lösen kann.

Der Kreislauf aus Anspannung und flacher Atmung

Flache Atmung und Anspannung verstärken sich gegenseitig: Die angespannte Muskulatur lässt dem Atem wenig Raum, und der knappe Atem signalisiert dem Körper, dass keine Ruhe ansteht. Viele bemerken das erst abends — als Unruhe, als harter Nacken, als das Gefühl, nicht abschalten zu können.

Die gute Nachricht: Dieser Kreislauf lässt sich unterbrechen. Nicht durch Kontrolle oder die perfekte Technik, sondern durch Wahrnehmung — indem der Atem wieder Raum bekommt, statt gemacht zu werden.

Was Du heute Abend ausprobieren kannst

Setz Dich bequem hin und leg eine Hand auf die unteren Rippen. Spüre drei Atemzüge lang einfach nur, wie sich die Hand bewegt — ohne etwas zu verändern. Mehr nicht. Oft wird der Atem dabei von selbst etwas ruhiger und tiefer.


Hinweis: Diese Übung ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei bestehenden Erkrankungen sprich bitte vorab mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Wenn Du tiefer einsteigen willst: Genau mit dieser Art von Wahrnehmung arbeitet die Atemtherapie nach Ilse Middendorf — in Berlin auch in kleinen Gruppen.

Foto: Marei

Marei KonowAtemtherapeutin und Heilpraktikerin. Seit 1995 in eigener Praxis in Berlin, seit 2004 zusätzlich am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe.

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